FÜNF GELÖSCHTE NACHRICHTEN

 

von falk richter

 

regie: Damian Popp

bühne, kostümbild: marlene lücker

dramaturgie: Charlotte Weidinger

spiel: Dennis Bodenbinder

 

Premiere:

wir arbeiten dran

Schauspiel Essen

1/20

Den Ausbruch einer Pandemie hat man sich vielleicht eher als Katastrophenszenario à la Hollywood ausgemalt. Stattdessen sind im Zuge der Ausgangsbeschränkungen durch das Coronavirus die Straßen leer, der Flugverkehr weitgehend eingeschränkt, innerhalb von vier Wochen wird auf Netflix von 64 Millionen Nutzerkonten eine Dokumentation über einen Großkatzenbesitzer gestreamt, Tiere erobern sich ihre Lebensräume zurück und K steht nackt vor seinem geöffneten Kühlschrank: „Die Apokalypse fand nicht statt. Zumindest nicht draußen.“
Der junge Schauspieler K ist mit einem Mal auf sich selbst zurückgeworfen. Wie Goethes Faust, den er in Kürze verkörpern sollte. Auf diese Rolle hatte er sich seit Wochen akribisch vorbereitet. Doch die Theater sind geschlossen und alle Vorstellungen abgesagt. K ist in der Isolation seines Studierzimmers gefangen und strebt in einem Gedankenrausch danach, die großen Zusammenhänge zu begreifen. Ohne Erfolg. Und dann ist da noch die tiefe Vereinsamung, die ihn immer wieder zum Handy greifen lässt. Doch von seinem Bedürfnis nach Zuneigung bleiben letztlich nur fünf gelöschte Nachrichten.

Der Autor und Regisseur Falk Richter entwirft mit „Fünf gelöschte Nachrichten“ die präzise Innenansicht eines von der plötzlichen Dringlichkeit der Maßnahmen überrumpelten Individuums und liefert damit ein Zeitdokument zur Anfangsphase der Corona-Pandemie 2020. Diese lenkt wie ein Scheinwerfer den Blick auf die Missstände in der Gesellschaft: die sich anbahnende Klimakatastrophe, industrielle Massentierhaltung und die durch die Einschränkung der individuellen Freiheitsrechte sowie finanzielle Ängste verursachte Verunsicherung in der Gesellschaft, die einen Nährboden für Verschwörungstheorien bildet.